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31.12.1937 Klaus
Jürgen Born wird am Silvesterabend 1937 in Duisburg geboren, wo
sein Vater Werner Born bei der Autobahnpolizei arbeitet. Die Mutter,
Helene Born, hat ihre Arbeit als Abteilungsleiterin in einem
Lebensmittelgeschäft bereits bei der Heirat aufgegeben.
1940-1947
Der Vater Nicolas Borns wird 1940 zur Wehrmacht eingezogen, nimmt am
Rußlandfeldzug teil, gerät nach seiner Rückkehr als
Dorfpolizist in Praest an der niederländischen Grenze in
französische Kriegsgefangenschaft, aus der er 1947
zurückkehrt.
1949-1952 Die Familie baut
in Eigenarbeit ein Häuschen im Siedlerweg 2, an der Stadtwiese in
Essen-Altenessen, Nicolas Born verläßt nach acht Jahren die
Schule mit dem Volksschulabschluß und beginnt eine Lehre als
Chemigraf in der Essener Klischee-Anstalt Vignold, erste
Schreibversuche noch während der Lehre
ca. 1957 Wechsel an die
Krupp´sche Klischeeanstalt
1957-1959 Gemeinsam mit
Freunden, u.a. Hannelies Taschau, bildet Nicolas Born sich
selbständig weiter, veröffentlicht erste Zeitungsartikel,
nimmt Kontakt zu Ernst Meister auf, Reisen in die Schweiz, nach
Italien, später bis in die Türkei und nach Syrien
1960-1962 erste Gedichte
erscheinen in den Zeitschriften „Fliegende Blätter“ und „Neues
Rheinland“, schreibt erste Rezensionen für Zeitungen, organisiert
für das neu eröffnete Essener Jugendzentrum Dichterlesungen
u.a. mit Ernst Meister und Heinrich Böll, legt die
Begabtensonderprüfung für Lehramtsstudiengänge ab,
beginnt die Arbeit an einem Roman, erster Kontakt zu Johannes Bobrowski
und Dieter Wellershoff bei Kiepenheuer und Witsch
Ende 1961 Heirat mit seiner
Verlobten Christel Martinc, mit der er die Mansardenwohnung im
Elternhaus bewohnt
Frühjahr 1962 Meisters
Frau Else überredet ihn, künftig unter dem Namen Nicolas Born
zu veröffentlichen
24. Mai 1962 Geburt der
Tochter Undine
1963 Umzug in die eigene
Wohnung Camphausenstraße 11 in
Essen-Holsterhausen
Ende 1963-Frühjahr 1964
Walter Höllerer lädt Nicolas Born als Stipendiat der Ford
Foundation zum Literarischen Colloquium nach West-Berlin ein, Beginn
der Freundschaft mit Hans Christoph Buch, Hermann Peter Piwitt, aber
auch Friedrich Christian Delius und vielen anderen
1964
nimmt die Arbeit als Chemigraf in Essen wieder auf, erste
Prosastücke und Gedichte erscheinen in wichtigen
Literaturzeitschriften und Anthologien, Teilnahme am Autorentreffen des
Verlags Kiepenheuer und Witsch, überarbeitet gemeinsam mit dem
Lektor Dieter Wellershoff seinen Roman, Einladung Hans Werner Richters
zur Tagung der Gruppe 47 vom 10.-12.09.1964 in Sigtuna in Schweden
1965
Nicolas Born kündigt im Februar seine Arbeit in Essen, Leitung
eines Seminars am Jugendzentrum zum Thema „Schriftsteller
Mitteldeutschlands“, Trennung von seiner Frau, wohnt zunächst in
Räumen des Literarischen Colloquiums (LCB) am Wannsee, Nicolas
Borns Roman Der zweite Tag erscheint bei Kiepenheuer und Witsch,
Förderpreis des Landes Nordrhein-Westfalen, der Gemeinschaftsroman
der Teilnehmer des Lehrgangs des Colloquiums Das Gästehaus
erscheint, nähere Bekanntschaft mit Rolf Dieter Brinkmann,
Teilnahme am "Wahlkontor deutscher Schriftsteller Berlin" für den
SPD-Bundestagswahlkampf, Tagung der Gruppe 47 im LCB am Wannsee,
Nicolas Borns erstes Hörspiel Schnee wird vom WDR gesendet
1966
Nicolas Born bezieht eine Souterrain-Wohnung in der
Fredericiastraße in Berlin-Charlottenburg, Scheidung der ersten
Ehe
Nicolas Borns Eltern bauen sich in Praest am Niederrhein ein neues
Haus, nachdem ihr Haus im Siedlerweg für eine Industriesiedlung
enteignet und abgerissen wurde, intensive Arbeit mit dem Lektor Dieter
Wellershoff an Gedichten und einem Roman
1967-1968
der erste Gedichtband Marktlage erscheint, Nicolas Born lernt die junge
Ärztin Irmgard Masuhr kennen, Umzug in die Wohnung des
befreundeten Kollegen Peter O. Chotjewitz in der Leibnizstraße,
das Gedicht ‚Berliner Para-Phrasen’ zirkuliert zunächst auf
Flugblättern und wird während des Höhepunkts der
Studentenbewegung, im Mai 1968, von der ZEIT abgedruckt, u.a.
Mitinitiator des Boykottaufrufs gegen Springer
7.-8.10.1967 Teilnahme an
der Tagung der Gruppe 47 in der
fränkischen Pulvermühle
12.11.1968 Heirat mit
Irmgard Masuhr, Umzug nach Nürtingen bei
Stuttgart
1969 Teilnahme an einer
Schriftstellertagung im jugoslawischen Maribor,
der WDR zeigt in der Reihe „Skizzen aus dem Alltag“ Borns Beitrag
„Fernfahrer“, Sendung von Nicolas Borns Aufsatz gegen die Thesen von
Kursbuch 15 im Süddeutschen Rundfunk
Oktober 1969 bis Mai 1970
Fellow des International Writer's Workshop
der University of Iowa in Iowa City, Kontakt zu Ted Berrigan, Allen
Ginsberg, Charles Bukowski und vielen anderen, Beginn der Freundschaft
mit Eric Torgersen und John Batki, mit den Mitstipendiaten Tom Raworth,
Julian Stryjkowski, Motoi Oda und Nicolas Suescun, intensive
Beschäftigung mit Übersetzungen, Reise durch die USA und
Mexiko
1970
Wo mir der Kopf steht erscheint, der SFB sendet „Wortwechsel“, eine
1969 entstandene Gemeinschaftsarbeit mit Rolf Dieter Brinkmann, Umzug
nach Gailingen an der schweizerischen Grenze, Mitarbeit im Kulturteil
der Zeitschrift "Konkret", gemeinsam mit Hermann Peter Piwitt Arbeit am
Konzept für ein utopisches Fernsehspiel, in der Reihe Luchterhands
Loseblatt Lyrik erscheinen sieben von Nicolas Born übersetzte
amerikanische Gedichte, der WDR sendet das Hörspiel Innenleben
17.11.1970 Geburt der
Tochter Rike in Singen/Hohentwiel
1971
Zum Jahreswechsel Umzug in die Friedenauer Dickhardtstraße in
Berlin, Arbeit am Manuskript von Das Auge des Entdeckers und
theoretischen Texten, Besprechung des utopischen Filmprojekts mit dem
WDR, der NDR sendet Übungen in einer Fremdsprache
1972
Teilnahme am Internationalen Lyrikertreffen im mazedonischen Skopje,
Nicolas Borns Vater erkrankt an Krebs, der Essay „Ist die Literatur auf
die Misere abonniert“ wird vom SFB gesendet, Das Auge des Entdeckers
erscheint im Rowohlt-Verlag, Beginn der Freundschaft mit Jürgen
Manthey, auf der Buchmesse begegnet Nicolas Born Peter Handke,
„Förderpreis Literatur zum Kunstpreis Berlin“, Mitglied des
P.E.N.-Zentrums BRD
1972-1973 Stipendium der
Villa Massimo in Rom, Rolf Dieter Brinkmann
ist gleichzeitig Stipendiat, Freundschaft mit Günther Knipp
1973 Kauf des Hauses in
Langendorf im niedersächsischen Wendland,
Born fährt mehrmals nach Langendorf um die Ausbauarbeiten zu
beaufsichtigen, das Kinderbuch Oton und lton. Abenteuer in der vierten
Dimension erscheint, in Ost-Berlin bringt der Aufbau Verlag die
Gedichtsammlung von Born, Volker von Törne und Friedrich Christian
Delius Rezepte für Friedenszeiten, Nicolas Born und Piwitt
relancieren erfolglos das utopische Fernsehspielprojekt beim NDR,
Beginn der Freundschaft mit Jürgen Theobaldy
27.5.1973 Geburt der
Tochter Katharina
1974 Beginn der Arbeit als
Mitherausgeber des Rowohltschen
Literaturmagazins, Beginn der Arbeit an Die erdabgewandte Seite der
Geschichte, Nicolas Born zieht sich zunehmend nach Langendorf
zurück, Beginn der Freundschaft mit Peter Handke, erneute
Kontaktaufnahme zu Rolf Dieter Brinkmann

1975 Literaturmagazin 3
erscheint mit Nicolas Borns Essay „Die
Phantasie an die Macht. Literatur als Utopie“, Beginn der
Schriftstellertreffen in Ostberlin und der Juryarbeit für den
Petrarca-Preis, Nicolas Born schreibt einen Nachruf auf Rolf Dieter
Brinkmann, der in London einen tödlichen Autounfall hatte,
Verleihung des Petrarca-Preises an Rolf Dieter Brinkmann, Mitglied der
Akademie der Wissenschaften und der Literatur in Mainz, Gastdozent an
der Universität Essen, die Übersetzungen der Wannsee-Gedichte
der Chinesin Wong May erscheinen in der LCB-Edition, zahlreiche
Lesereisen u.a. in England und in den Niederlanden
1976 Laudatio auf Ernst
Meister zur Verleihung des Petrarca-Preises an
ihn und Sarah Kirsch in Arquà Petrarca, die Übersetzungen
der Gedichte von Kenneth Koch erscheinen in der Reihe das neue Buch,
Die erdabgewandte Seite der Geschichte wird zum Gespräch der
Frankfurter Buchmesse, zahlreiche öffentliche Auftritte und
Lesungen
3.9.1976 das Haus in
Langendorf brennt mitsamt Nicolas Borns
Arbeitszimmer ab, die Familie wohnt zunächst in Dannenberg

1977 Bremer Literaturpreis
für Die erdabgewandte Seite der
Geschichte; Mitglied der Deutschen Akademie für Sprache und
Dichtung in Darmstadt, nach Regierungsplänen soll der Landkreis
Lüchow-Dannenberg zum nationalen Atomenergiezentrum werden,
Fernsehauftritte und öffentliche Reden gegen eine gewissenlose
Politik des Fortschritts, Literaturmagazin 8. Die Sprache des
großen Bruders erscheint mit Nicolas Borns Essay „Die Welt der
Maschine“, Teilnahme an der Grazer Autorenversammlung, Umzug in das
Nachbardorf Gümse, Beginn der Arbeit am Roman Die Fälschung
Mai 1977 mehrwöchige
Reise über den Land- und Wasserweg in
den Libanon
1978 Der Rowohlt-Verlag
bringt die Sammelausgabe Gedichte 1967-1978 mit
neuen Gedichten heraus, Aufenthalt in Budapest und u.a.
Übersetzungsarbeit an Gedichten Joszef Attilas, Verleihung des
Petrarca Preises an Alfred Kolleritsch, Kauf des Bauernhauses in Breese
in der Marsch bei Dannenberg, Beginn des zur Veröffentlichung
bestimmten Briefwechsels mit Günter Kunert
September 1978 Amtsantritt
als Stadtschreiber von Bergen Enkheim
Oktober 1978 Nicolas Borns
Vater stirbt nach langjähriger
Krankheit
1979
Im März erhält Nicolas Born die Diagnose des
fortgeschrittenen Lungenkrebs, Vorabdruck der Fälschung in der
Frankfurter Allgemeinen Zeitung, Verleihung des Petrarca-Preises an
Zbigniew Herbert in Verona, Tod Ernst Meisters, Born wird mehrfach
operiert und bestrahlt, letzter öffentlicher Auftritt beim
Stadtschreiberfest in Bergen Enkheim, Die Fälschung erscheint bei
Rowohlt
5. Dezember Rainer Maria
Rilke-Preis für Lyrik, die Laudatio
hält Christoph Meckel
7. Dezember Nicolas Born
stirbt im Haus der Familie in Breese in der
Marsch.
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