Ich wünsche ein Buch
in das ihr alle
vorn hineingehen
und hinten
herauskommen könnt
Drei Wünsche
ISBN: 3892448248
Kunst heißt
das Leben
mit Präzision
verfehlen!
Das Auge des
Entdeckers
Geplündertes Gesicht,
der Morgen
leergemacht,
deine Schuhe sind
aufgeweicht vom
Gehen mit mir.
Abbau
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Peter Handke und Nicolas Born |
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Der Briefwechsel zwischen Peter Handke und Nicolas Born, zwischen denen ab 1974 eine sehr intensive Freundschaft entstanden ist, erschien vor seiner Veröffentlichung im Band "Briefe 1959-1979" als Vorveröffentlichung im Oktober 2005 in der von Norbert Wehr herausgegebenen Zeitschrift "Schreibheft" unter dem Titel: Die Hand auf dem Brief Briefwechsel Peter Handke-Nicolas Born 1974 - 1979.
dazu Beiträge von
Katharina Born: "Zündhölzer flammen auf
überm Eis" Nicolas Born und Peter Handke,
eine Freundschaft
und
Hermann Wallmann: Der Roman des Lesers
Oder: Damit die Briefe uns
was angehen
außerdem: Michael Brauns Laudatio
auf Nicolas Born,
den Huchel-Preisträger 2005
»Schreibheft«. Zeitschrift für Literatur, hrsg. von Norbert Wehr. Verlag Rigodon, Essen, Heft 65, 205 S., 10,50 EUR.
Kontakt unter dem Link:
http://www.schreibheft.de

Auszug aus dem Text von Katharina Born zum Briefwechsel Born/Handke:
Das Lesen des Briefwechsels zwischen Nicolas Born und Peter Handke war für mich eine Überraschung. Ich hatte die Freundschaft für eine stille gehalten, für still, intensiv und zart. Dabei scheinen sich die Briefe mitunter fast zu überstürzen, sie kreuzen sich, sind mal voll schneller Empfindlichkeit und dann wieder ein vorsichtiges Herantasten.
Für beide, für Born und Handke, war die zweite Hälfte der siebziger Jahre eine unruhige Zeit, die geprägt war von persönlichen Unwägbarkeiten, von Schicksalsschlägen und gesellschaftlichen Brüchen, wenn dies in ihrer Korrespondenz auch kaum Erwähnung findet.
Der Briefwechsel wurde für mich ein seltenes Zeugnis: Das Gespräch zweier Schriftsteller, die in einer Zeit der großen Gemeinschaftlichkeit und deren Ernüchterung sich den Blick für das Einzelne zu bewahren suchen. Eine liebevolle gegenseitige Zusprache, eine Bestätigung der Richtigkeit ihrer Suche, die – bei aller Alltäglichkeit in der Beschäftigung mit den Töchtern, mit der Einsamkeit und mit wechselnden Umgebungen – immer auch eine Suche nach Worten ist.
Durch den Brand von Borns Haus in Langendorf, durch die vielen Umzügen beider Schriftsteller entstanden einige Lücken in der Korrespondenz. Telefonate, Treffen und gegenseitige Besuche ließen das Schreiben oft unnötig werden. Dennoch schien es Peter Handke, Norbert Wehr, dem Herausgeber des Schreibhefts, und mir wichtig, den erhaltenen Briefwechsel nun in seiner Eigenständigkeit zugänglich zu machen, bevor im Herbst des kommenden Jahres eine Ausgabe der Briefe Nicolas Borns im Wallstein Verlag erscheinen soll.
Eine besonders schöne Rezension von Hans-Dieter Schütt ist im "Neuen Deutschland" erschienen:
28.07.06
So eine Art Glück
Briefe zwischen Nicolas Born und Peter Handke
Von Hans-Dieter Schütt
Wir brauchen Gelegenheiten, Anstöße. Plötzlich so ein Dichter wie Nicolas Born, und zuerst, in aufspringender Leichtfertigkeit, fällt einem das furchtbarste Wort ein: ein Vergessener. Aber das trifft ja nicht eigentlich den Dichter, es trifft nur den Nicht-Leser, der da bekennt, sich um etwas gebracht zu haben und hier nun hilft die Gelegenheit, hilft der Anstoß, um sich selber eine Erfahrung reicher zu machen: »Schreibheft Zeitschrift für Literatur«, im Essener Rigodon-Verlag herausgegeben von Norbert Wehr, hat in einem seiner jüngsten Hefte, Nr. 65, Briefe zwischen Peter Handke und Nicolas Born veröffentlicht. »Die Hand auf dem Brief« heißt die Sammlung, verfasst zwischen 1974 und 1979.
Nur zweiundvierzig Jahre alt wurde der 1937 geborene Dichter Born. Er starb 1979. Seine Gesellschaftskritik war Ablehnung eines Menschenbildes, das ihm im Kapitalismus nicht weniger ausgeprägt schien als im Kommunismus: eine Vorstellung, nach welcher der Mensch nur dann zur Erfüllung gelangen kann, wenn er sich als Drehpunkt allen Sinns zu verstehen vermag. Born lehnte die Befriedigungen »vorschneller Sinnbedürfnisse« ab, misstraute den Zwangsmechanismen von Gesellschaften, in denen Widersprüche höchstens als eiligst zu behebende Störfaktoren gelten und der Anschein einer Lösung höheren Wert besitzt als eine kompliziert verschlungene Wahrheit.
Vorsicht, Scheu gegenüber vorschnellem Begreifen zeichnen seine Gedichtbände aus (»Marktlage«, »Wo mir der Kopf steht«, »Das Auge des Entdeckers«). Politischer Dichtung, im engeren Zwecke des Agitierens und Überzeugens, hat er sich verweigert; damit ginge, so meinte er, die »ureigenste Funktion« der Dichtung verloren die darin bestehe, eine sowohl zerstörerische wie auch aufbauende, auf jeden Fall aber erschütternde Kollision der Imagination mit dem Faktischen darzustellen »beziehungsweise dieser Zusammenprall selber zu sein«.
Zum Begrenzungsgemüt angesichts der Unbegreiflichkeiten des Daseins und der Unmöglichkeit, sich Realität wirklich vertraut zu machen, kam aber doch eine nüchterne, utopische Hoffnung: dass sich die Anstrengung, am Leben zu sein, dennoch lohne. Weil auch das, was uns verschlossen bleibt, eine Erwartung anregen kann.
»Was die Sprache aufgeben muß, das gewinnt sie an Schärfe und Belastbarkeit«, schrieb Christoph Meckel über Born und bescheinigte ihm: »Am kollektiven und individuellen Rechthaben nimmt er nicht teil, von Ausweg und Tröstung macht er keinen Gebrauch«. Kein Mensch stehe unangetastet in seiner Würde, kein denkendes Wesen lebe ohne Verlustgeschäft, »Born steht, wie wenige, ruhelos und direkt in der Erkenntnis wachsender Vernichtung von Zukunft«.
Die Briefe Borns an Peter Handke, die Briefe Handkes an Nicolas Born sind Freundschafts-Zeichen. Man liest einander, man braucht einander, des Anderen Schreiben ist eigenes Leben; so empfindet Handke über ein Buch von Born »eine Art Glück, daß da Poesie eine triste Welt zusammenhält und schützt (und auch ich fühle mich geschützt davon, erwärmt, zusammengehalten) ... schlingernd zeigst Du die Lächerlichkeit und Erhabenheit von ernsthaftem, trotzigem Schreiben«. Und Born schreibt: »Durch mein Fenster sehe ich, wie der Wind die Baumkronen von innen aufbläst und die Blätter wendet, so daß ihre matteren blasseren Rückseiten zeigen. Es ist so schön zu sagen, daß die Wärme unerträglich ist, und sie doch als angenehmn und erträglich zu empfinden. Ich fühle mich darin etwa so wie Du gesagt hast: geborgen. Erst seitdem.«
Das Private, die Stimmungen, die Katastrophen (Borns Haus brennt ab, auch Beziehungen zu Frauen brennen nieder), die Schreibsehnsucht (»sonst zerfalle ich«, Handke), die Schreibmühen, das Warten »auf die Ruhe des Ichgefühls« (Handke), die »Beklommenheit zwischen den Leuten« (Born) die Briefe beider, die von 1975 an gemeinsam in der Jury des Petrarca-Preises waren, sind unermüdliche Beistandsgebung. Aber, wie Borns Tochter Katharina im Nachwort schreibt (sie bereitet gerade einen Band mit Briefen ihres Vaters vor): Nie gehe es Born oder Handke darum, »sich gegenseitig aufzumuntern, vielmehr so scheint es ermutigen sich die Freunde in ihrer jeweiligen Empfindlichkeit«.
Man merkt Born an, wie er unter Kulturbetrieb und oberflächlicher Geselligkeit leidet und dabei bewundernd auf Handkes Einsamkeitsgabe schaut zu einer Zeit, da Born linksintellektuellem Gruppenbildungsreflex so tiefgefühlt skeptisch entgegentritt (oder eher: seitwärts tritt), dass er schon als Bürgerlicher abgestempelt wird. Das Nachbardorf heißt übrigens Gorleben, und Born muss aufpassen: »daß mir die kommende Unterminierung und Aufladung, Verseuchung des Erdballs mit Plutonium und anderem Atomdreck nicht Arbeit und Leben verdirbt und mich nicht hysterisch macht, aber mein schwankendes Daseinsgefühl ist noch empfindlicher geworden«.
Handke schreibt von seinem eigenen Still-Leben, und der spätere Jugoslawien-Komplex wird präsent, wenn man diese Zeilen von 1977 liest: »Jede Art Stellungnahme oder Denken (öffentlich) erscheint mir als Kunstgewerbe. Eine Zeitlang schien mir das nur eine vorübergehende Krankheit von mir zu sein. Jetzt ist es vielleicht doch eine Gewißheit geworden, nicht ganz ungesund. Vielleicht brauche ich nur ein paar Schurken, an denen ich mich reibe, und das Stellungnehmen wäre wieder möglich. Aber immer auf die Schurkereien angewiesen zu sein, um ein Lebensgefühl zu haben?«
Schön. Wahrlich: aufhelfend. Zwei Menschen, die einander schonungslos zugetan sind. Man liest, und es läuft im Bewusstsein ein Traum zusammen: Der Appetit auf Gestalt und Form und Würde wird unbezwinglich.
Im Perlentaucher sind weitere Rezensionen und deren Zusammenfassungen zum Briefwechsel zu finden: www.perlentaucher.de
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