Ich wnsche ein Buch 
 in das ihr alle 
  vorn hineingehen 
   und hinten 
herauskommen knnt
Drei Wnsche


ISBN: 3892448248
Kunst heit 
 das Leben 
  mit Przision 
   verfehlen!
Das Auge des
Entdeckers
Geplndertes Gesicht, 
der Morgen 
leergemacht,
deine Schuhe sind 
aufgeweicht vom 
Gehen mit mir.
Abbau
Marktlage (1967)  
Der erste Gedichtband Borns, "Marktlage", erschien 1967 bei Kiepenheuer und Witsch.Nicolas Born erster Gedichtband: Marktlage Kiepenheuer und Witsch 1967Das Erscheinen von "Marktlage" fiel in die Zeit eines ersten ausgesprochenen Lyrik-Booms: Selten waren so viele Gedichtbnde verlegt worden wie im Frhjahr 1967. Luchterhands Loseblatt Lyrik, die Gedichte sozusagen als Wandschmuck verkaufte, war nur der Anfang von einer Entsakramentalisierung des Gedichts, wie sie Gnter Grass gefordert hatte, einer "fruchtbaren Leichtfertigkeit im Konsum", heit es in der Besprechung von Wolfgang Maier. Die neue "Leichtfertigkeit" produzierte in dieser Zeit vor allem epigonale Brecht-Poesie und pointenreiche politische Protestverse. So wird auch Marktlage wie schon der Zweite Tag von der Kritik eher mimutig als freundlich aufgenommen. Gelobt werden fast einhellig die "Nachrufe" und die Liebesgedichte. Aber neben dem Hinweis auf das deutliche Talent und die gelungenen Seiten steht immer ein Seitenhieb auf die programmatische Abwendung von der hermetischen Gedichtform und "die Verbrauchersprache unserer Wohlstandsgesellschaft". In derselben Aufmachung wie Gnter Herburgers "Ventile" und fast gleichzeitig erschienen, soll "der gelehrige Rezensent", so Peter Hamm, mit "Marktlage" begreifen, da "Witschens Lektor, nun seinen Neuen Klner Realismus auch fr die Lyrik" reklamiert. Tatschlich will Born seine Gedichte "roh", "jedenfalls nicht geglttet", wie er in seinem Klappentext schreibt, in dem er sich auch auf Charles Olson bezieht. Aber die Abkehr von "Schminke und Parfm", von der Metaphernreichen, chiffrierten Sprache der "alten Poetik" geschieht hier ohne Plattheit, und in Verbindung mit Borns tastend persnlicher Sicht wird sie zu etwas Besonderem. Born erfindet "Poesie nicht mit Worten", seine Sprache verbirgt nichts, aber gerade dadurch wird sie hintergrndig. Es ist das Persnliche, das Erleben Borns, als "ich Born, Sohn des Born", das diese Gedichte ber Abschied, Einsamkeit, Liebe und Tod, obwohl sie in ihrer Protest-Haltung so deutlich situiert sind, noch immer gltig lt. In einer Zeit, wo der Tod der Literatur ausgerufen wurde und gleichzeitig von der Kunst zunehmend erwartet wurde, die Gesellschaft zu verbessern, schreibt Born absichtlich und sprbar schon jetzt aus einer Distanz zur Gesellschaft. Er ist einen Schritt zurckgetreten, scheint es, schon weil ihm diese Gesellschaft fremd erscheint und er sich selbst fremd ist darin. "Wo ich nicht mehr sein kann/gehn andere unangefochten mit Hunden", heit es in Sisal. "Was hat mich so eingeseift/was hat mir derart die Knochen gezhlt?" in Ich versuche mich zu beklagen, "Oft fr kompakt gehalten/fr eine runde Sache/die gelufig zu leben versteht - " in Selbstbildnis. Beinah sprde wirken einige der Gedichte heute in ihrem kaum verdeckten Realittsbezug. Und doch scheint Born, wenn er noch vorsichtig "ich" sagt, was er beschreibt, seine Trennung, seine neue Freiheit wie allgemeingltig zu erleben: "Wie frher, heit es in Endlich ist nichts mehr zu verlieren, "haben Bewegungen ihren Sinn". Und Eine Liebe in Kln-Knapsack und der Eintopf der Rentnerin Adelheid Moll sind noch heute so wahr und gleichzeitig so liebevoll beschrieben, wie es in dieser Kombination selten vorkommt.

 
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